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Polizei
Unzulässiger Lärm
Autor: Ronny Holz
Eingestellt am: 21.12.2006
Nur eine Ruhestrung

Ein lauwarmer Abend Anfang September. Nachtdienst, kurz vor 23 Uhr. Whrend Melli, meine Streifenpartnerin, gerade die schriftlichen Arbeiten zu unserem letzten Einsatz aus dem Drucker holt, sehe ich unseren Wachleiter auf mich zukommen. Ein neuer Auftrag fr uns: Es geht um eine Personengruppe, die durch laute Musik und Gegrle die Anwohner beim Einschlafen strt. In der Regel kein besonderes Highlight "unzulssiger Lrm", wie es im Polizeijargon heit. In Berlin-Kreuzberg gibt es da ganz andere Einstze.

Keine zehn Minuten spter sitzen Melli und ich im grn-silbernen BMW. Wir unterhalten uns ber dies und das, natrlich auch ber private Dinge, ohne zunchst ber den Einsatz nachzudenken. Melli ist gerade Mal 15 Monate "drauen", raus aus der Lehrabteilung, auf der Strae. Seit einem knappen Jahr sind wir ein Streifenteam, kennen uns mittlerweile recht gut. Die Aufgaben untereinander sind klar verteilt, detaillierte Absprachen bei einem Einsatz sind die absolute Ausnahme. Jeder wei, wie der andere arbeitet, was er tut, wie er reagiert.

Kurz vor dem Einsatzort drcke ich eine Taste auf unserem Funkgert, die Leistelle wei Bescheid, wir sind eingetroffen. Whrend Melli den Einsatzwagen zum Stehen bringt, schaue ich vom Beifahrersitz aus an ihr vorbei durch die Scheiben der Fahrertr. Ich sehe eine Gruppe von etwa 25-30 Leuten, die auf dem Mittelstreifen sitzen. Sie reden miteinander, trinken Bier Auf den ersten Blick eine gemtliche Stimmung.

Melli lsst die Scheibe der Fahrertr hinunter und wir hren diverse Musikinstrumente, unter anderem auch eine Gitarre. Etwas zu laut ist es schon, denke ich. Ich knnte hier als Anwohner so auch nicht einschlafen. Bei einem Blick auf die Wohnhuser sehe ich, wie einige Mieter auf dem Balkon stehen oder aus dem Fenster sehen. Der Anrufer ist ganz sicher dabei und schaut uns ber die Schulter. Zunchst werden wir mit den Musikern sprechen und sie davon berzeugen, ein bisschen leiser zu spielen. Whrend mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, hren wir aus der Gruppe pltzlich: "Verpisst Euch, Ihr Drecksbullenschweine!"

Es ist eine mnnliche Stimme, aggressiv im Ton. Okay, denke ich, so etwas sind wir ja gewhnt, so schnell lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen. Melli schaut mich an, ihr Blick sagt alles. Was fr ein Bldmann, denkt sie. Ich frage Melli, ob sie gesehen hat, wer die Worte gesagt hat. Gemeinsam suchen wir nach der Person. Dann sehe ich einen jungen Mann auf dem Boden sitzen, eine Bierflasche in der Hand, dunkle Haare, dunkles T-Shirt, vielleicht 30 Jahre alt. Er schaut zu uns herber. Dann ruft er: "Ey, Du Bullenfotze, guck nicht so bld. Du sollst Dich verpissen, hast Du nicht gehrt?"

Melli schaut mich erneut an. Die Grenze ist berschritten. Die Ruhestrung spielt erstmal keine Rolle mehr. Ich steige aus, whrend Melli ber Funk eine zweite Streife anfordert. Immerhin sind die Krfteverhltnisse nicht auf unserer Seite. An diesen Aspekt denke ich in diesem Moment aber noch nicht. In meinen Augen sehe ich einen Straftter unter friedlichen Leuten. Ich gehe hinber zu ihm, hre im Hintergrund, wie Melli ber Funk mit der Leitstelle spricht. Dann stehe ich neben ihm. Er sitzt auf dem Boden, die Beine verschrnkt und tut so, als sei ich gar nicht da. Ich spreche ihn an, halte ihm die Tat vor und verlange nach einem Ausweisdokument. Ohne mich anzuschauen, sagt er: "Von mir bekommt ihr gar nix!"

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