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Polizei
Tod - Lachen
Autor: Klaus Lange
Eingestellt am: 01.08.2006
Es war mein erster Nachtdienst, damals 1974, gerade zwanzig Jahre alt war ich. Vor zwei Tagen hatte ich meinen Dienst bei der Autobahnpolizei begonnen.
In dieser Samstagnacht, es war gegen 03:00 Uhr, hörte ich folgenden Funkspruch zum ersten Mal: „Schwerer Verkehrsunfall/ eine Person Ex/ Fahrbahn blockiert.“
Schon während der Anfahrt zum Unfallort ergriff eine wachsende Anspannung von mir Besitz, ein innerliches Zittern breitete sich aus, es sollte "mein erster Tödlicher" werden. Tausend Gedanken schossen durch den Kopf. Der Zeitraum bis zum Eintreffen an der Unfallstelle kam mir unendlich lange vor.
Ein Opel Commodore war unter die linke Seite eines Sattelaufliegers gerast. Der Fahrer, ein junger Mann war schwerverletzt und volltrunken. Er wurde bereits von mehreren Rettungssanitätern versorgt. Der Beifahrer, sechzehn Jahre alt, dürfte den Aufprall schon nicht mehr gespürt haben. Die Feuerwehr war dabei, seinen Leichnam aus den Trümmern zu schneiden.
Es stank nach einer Mischung aus Kühlflüssigkeit, Öl und Benzin.
Die Mitglieder einer Hochzeitsgesellschaft auf dem Heimweg, waren als erste an die Unfallstelle gekommen. Die vielen Blaulichter ließen weiße Hemden und Blusen bläulich schimmern. Akkurat sitzende Smokingfliegen, Frauen in langen, eleganten Röcken. Schuhsohlen, die vor kurzer Zeit noch leicht über einen Tanzboden geglitten waren, ließen zersplittertes Glas knirschen. Ich sollte es in den folgenden Jahren noch sehr häufig hören. Dazwischen aufgeregtes Rufen und Schreien.
Vorsichtig, als hätte er noch etwas empfinden können, hoben Feuerwehrleute den Jungen aus den Trümmern.
Kurze Zeit später hielt ich die Jacke des Toten in den Händen, sollte sie nach Papieren durchsuchen. Ich breitete die hellbraune kurze Lederjacke auf der Motorhaube des Streifenwagens aus. Die spitzen Finger der linken Hand fassten vorsichtig in die Innentaschen, die rechte hielt die Taschenlampe. Tastend spürte ich noch … seine Wärme?
Im wechselnden blauen, weißen Licht waren deutlich Gewebestücke, Blut und Gedärm erkennbar. Es schimmerte rot, gelb, braun, lila. Dieser mir unbekannte Geruch, Ekel stieg in mir auf, nur zögerlich griff ich zu.
Stunden später wurden auf der Wache reichlich dumme Sprüche gerissen, es wurde viel und sehr sehr laut gelacht, Gelächter ohne Herz.
Irgendeiner fragte mich dennoch, ... bist Du okay?
„Natürlich ... !“
Natürlich nicht, ich sehe mich noch heute verlegen lächeln, unsicher grinsen.
Im Laufe der Jahre habe ich selbst viel zu oft Kollegen fragen müssen,
„...bist Du okay?“
Habe viel zuviel gelacht, keine Nähe - keine Schwäche
Zwanzig Jahre später, Frühdienst, Anfang Januar, tönte es wieder ein Mal über den Äther:
„Schwerer Verkehrsunfall/ eine Person EX/ Fahrbahn blockiert“.
Blitzeis hatte die Autobahn trotz sehr geringem Verkehrsaufkommen an diesem Morgen zur tödlichen Falle werden lassen. An der Unfallstelle standen Fahrzeuge kreuz und quer.
Ein Pkw lag auf dem Dach, darunter lag ein Mensch. Nur eine Hand ragte hervor, die linke. Eine zierliche, sehr gepflegte Frauenhand. Die Gesichter der umherstehenden Menschen waren starr wie Masken. Eine unheimliche Stille lag über dem Ganzen.
Es gab keine weiteren Verletzten.
Kranken- und Notarztwagen waren fast zeitgleich mit uns eingetroffen. Schnell hatten wir uns einen Überblick verschafft, der Unfallhergang war klar.

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