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Polizei
Das schwarze Notizheft
Autor: Christian Buschan
Eingestellt am: 29.04.2006
Dieser Text im pdf-Format: Das_schwarze_Notizheft.pdf (158 kByte)
Polizistinnen und Polizisten sind normale Menschen in einem auergewhnlichen Beruf. Und nicht wie viele glauben oder zu wissen meinen auergewhnliche Menschen in einem normalen Beruf. Wir brauchen beim Ausben unseres oft extrem schwierigen Berufes nebst bestimmten krperlichen, seelischen und geistigen Voraussetzungen auch optimistischen Wagemut. ber diesen Optimismus, respektive ber sein Gegenstck, den Pessimismus, mchte ich zu Beginn kurz nachdenken, und ich will dabei dem defensiven Pessimismus eine Bresche schlagen.
Was vorsichtige Pessimisten von ewig strahlenden Optimisten deutlich unterscheidet, ist ihr Umgang mit ngsten. Defensive Pessimisten wissen aus Erfahrung und die Wissenschaft gibt ihnen Recht , dass erwartete Enttuschungen leichter zu ertragen sind als unerwartete. Wenn wir wissen, was uns blhen knnte, fhlen wir uns sicherer, selbst dann noch, wenn wir das Schlimmste befrchten. Defensive Pessimisten sind deswegen gute Planer/innen: Sie denken alle mglichen Notflle durch, sie weichen gedanklich keiner noch so unwahrscheinlichen Katastrophe aus, sie rechnen das "Unmgliche" mit ein. Dadurch verhindern sie beispielsweise sptere Fehler durch Planungen allzu zukunftsglubiger, "blinder" Optimisten. Doch leider gelten oft das Infragestellen und selbst das bloe Nachdenken nicht selten bereits als Zeichen von Schwche, mangelnden Selbstbewusstseins oder als Unentschlossenheit. Dabei sind es gerade die so genannten Pessimisten, die keinerlei positiver Illusionen bedrfen, um ihr Selbstwertgefhl zu strken! Denn defensive Pessimisten kennen die guten Grnde, sinnvoll ngstlich zu sein. Deswegen wissen sie, dass es sich lohnt, die Dinge umfassend anzugehen, um sie kontrollieren zu knnen und so das antizipierte Schlimmstmgliche zu verhindern.

Sich das Schlimmstmgliche vorzustellen, kann im Gegensatz zur allgemeinen Erwartung sehr motivierend sein: Man lernt dabei das beruhigende Gefhl kennen, dass es erstens selten eintritt und zweitens, dass man's meist berlebt, selbst wenn es eintritt. Optimisten verdrngen ihre ngste oder beachten sie zu wenig, deswegen gehen sie dieser eben geschilderten positiven Erfahrung verlustig. Die blinden Optimisten sind es dann, die aus allen Wolken fallen, wenn tatschlich etwas schief geht, was Pessimisten in ruhiger Gefasstheit offenen Auges kommen sahen. Defensive Pessimisten wissen aus Erfahrung, dass es schlicht schner ist, sich erst schlecht und dann besser oder sogar prima zu fhlen, als umgekehrt. Damit das so ist, mssen allerdings zwei Bedingungen erfllt sein: Defensive Pessimisten brauchen Zeit, um ihre "Schreckensszenarien" sorgfltig durchzudenken. Und: Diese Art zu denken ist nur dann sinnvoll, wenn sie vor dem durchdachten Anlass angewandt wird. Wer auch nachher noch pessimistisch weiterdenkt sei es mit oder ohne realen Grund , leidet unter diesem Denken. Bloe Negativitt hat mit defensivem Pessimismus im besten Sinne des Wortes nichts zu tun und soll psychotherapeutisch behandelt und abgestellt werden.
Das polizeiliche Umfeld meines Dienstes bei der Kantonspolizei Bern war von 1975 bis 80 geprgt von den Auswirkungen dreier historischen Vorgnge: Erstens von den meist gewaltttigen Unruhen im Zusammenhang mit der Abspaltung des jurassischen Teils des Kantons Bern bis hin zur Grndung des Kantons Jura, zweitens von den terroristischen Aktivitten der "Rote Armee Fraktion" in der Bundesrepublik Deutschland und in Italien sowie drittens vom Vietnamkrieg. Dieses frchterliche, elf Jahre dauernde Morden und Leiden brachte indirekt die so genannte 68er-Generation hervor, der auch ich zumindest vom Jahrgang 1948 her angehre.

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