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Polizei
Durchgeknallt - Leseprobe -
Autor: Peter Heilmann
Eingestellt am: 04.07.2004
Dieser Text im pdf-Format: durchgeknallt.pdf (29 kByte)
BuchtitelDas riesige, alte Ziegelsteingebude wirkt irgendwie bengstigend. Schon in der Nazizeit war hier die Polizeiwache untergebracht. Sonntags, wo die gesamte Verwaltung frei hat, die Kripo lediglich die K-Wache besetzt und nur ein Dienstdrittel der Schutzpolizei anwesend ist, wirken die langen, hohen Gnge noch kahler und abstoender.
Obwohl er nur Halbschuhe trgt, schallt jeder Schritt, den Jeremias Frchtegott Stankiewicz macht, durch den ganzen Bau. Die braune Vergangenheit scheint sich von den Wnden in die Gegenwart zurckzumelden. Oft hat er schon beim Gang durch die langen Flure daran gedacht, wie es wohl gewesen sein mag, als hier zwei Hundertschaften uniformierter Polizeibeamter untergebracht waren. Er kann sich ganz gut vorstellen, dass bei vielen Mlheimer Brgern dieses Gebude noch in schlechter Erinnerung existiert.

Hoffentlich haben wir nie wieder einen Polizeistaat, in dem die Polizei alle Gewalt hat und in dem jeder Beamte tun und lassen kann was er will und wo jede dreckige Sache vom Staat gedeckt oder sogar gutgeheien wird. Mit diesem Gedanken erreicht er das nchtern eingerichtete Bro der K-Wache. Er stellt die Cola, die er gerade am Automaten gezogen hat, auf den uralten von Narben bersten Schreibtisch.
Im Fernseher luft noch immer das Tennisspiel Bjrn Borg gegen John McEnroe. Eigentlich interessiert ihn Tennis berhaupt nicht, aber wenn der Kasten luft hat er wenigsten das Gefhl, in dem riesigen Bau nicht ganz alleine zu sein.
Gleich werd` ich schau`n, ob der Weber da ist, dann knnen wir mal wieder eine Runde Schach spielen. Missmutig setzt er sich, legt die Fe auf den Schreibtisch und versucht eine gute Sitzposition zu erlangen. Umstndlich kramt er seine Pfeife raus, stopft sie und als die ersten dicken Wolken aufsteigen, ffnet sich die Tre und Klaus Weber betritt den Raum.
Hallo, Mller, wie isses?
Siehst Du doch. Beschissen isses. Wie soll es einem gehen, wenn man in diesem Kaff sonntags nachmittags Dienst hat. Hier sind ja noch nicht mal die Hundeflhe kriminell. Im Fernsehen gibt es auch nichts Gescheites, nur das blde Tennisspiel.
Stankiewicz, der von allen Kollegen der Einfachheit halber nur Mller genannt wird und dessen richtigen Namen kaum noch einer wei, nimmt die Fe vom Tisch.
Hast Du Lust auf `ne Partie Schach?
Lust schon, aber jetzt keine Zeit. Ich wollte Dich nur fragen, ob Du Sinn auf ein Stck Kuchen hast. Der Heinz Peters hatte Geburtstag. Der hat Kuchen geholt. Die machen gerade Kaffee und ich sollte fragen, ob Du Sinn hast.
Das knnt mir jetzt gefallen, ein Stck Kuchen und `ne Tasse Kaffee. Mller legt seine Pfeife in den riesigen Aschenbecher. Dann verlassen beide den Raum.



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